Ein Rückblick auf eine Ausbildung, die Wein, Geschichte, Landschaft, Menschen und Vermittlung zusammenbringt.

Manchmal merkt man erst rückblickend, dass ein Weg schon begonnen hatte, bevor man ihn selbst so genannt hätte. Bei mir war das nach „Winzer für ein Jahr“ so. Dort wurde Wein konkret: Rebschere, Laubarbeit, Lese, Most, Kellerluft. Danach wurde eine andere Frage spannend zu beantworten: Wenn Wein Kulturgut ist (und viele damit zwischen Wein, Bier und Alkohol unterscheiden), was alles und was genau verbigt sich dahiner? Gerade in einer geschichtlich bewegten Region wie der unseren.

Mehr als ein netter Dienstagabend-Treff

Die Qualifizierung umfasst dreizehn Monate, mit 252 Stunden Wissensvermittlung in 50 Theorie- und Praxiseinheiten. Das klingt zunächst recht abstrakt, in der Realität fühlt es sich anders an: Dienstagabend am DLR Rheinpfalz in Neustadt, dazu Exkursionen an Freitagen und Samstagen, und immer wieder der Wechsel zwischen Seminarraum, Weinberg, historischer Stätte, Ortsbild und Gespräch.

Gerade das DLR Rheinpfalz war als Ort dafür stimmig. Es ist nicht einfach ein Schulungsraum mit Parkplatz direkt vor der Tür, sondern eine Aus- und Weiterbildungsstätte für einen sehr typischen Berufsstand der Pfalz. Verbunden mit Beratung, Versuchswesen und angewandter Forschung in Weinbau und Oenologie. Man sitzt also nicht irgendwo und redet abstrakt über Wein. Man lernt in einem Umfeld, in dem Weinbau als Praxis, Forschung und Vermittlung täglich zusammenkommen.

Diese Breite kam mir besonders zugute, ich war schon immer der Typ „Allrounder“. Geschichte und Weinkultur standen neben Weinbau und Kellerwirtschaft. Sensorik neben Geologie. Rechtsfragen bei Führungen neben Storytelling. Ampelographie neben Präsentationstechnik. Und plötzlich wurde klar: Wer Kultur- und Weinbotschafter sein will, braucht nicht nur Wissen. Er braucht Übersetzungsfähigkeit.

Die Pfalz lernt man nicht nur mit dem Kopf, sondern vor allem mit dem Herzen

Ein großer Reiz der Ausbildung liegt darin, dass sie die Pfalz nicht als Folienpaket behandelt. Wir waren unterwegs: Bei Burgen und Schlössern, in Klöstern und Kirchen, an der Römischen Villa in Ungstein, später am Geilweiler Hof. Jede Exkursion verweiterte den Blick ein Stück. Man sah nicht nur ein Bauwerk, eine Lage oder ein Forschungsfeld. Man lernte, daraus eine Erzählung zu machen.

Auf den Bildern sieht man ziemlich gut, was diese Ausbildung im besten Sinn war: Eine lernende Gruppe in Bewegung. Menschen, die zuhören, fragen, lachen, probieren, manchmal im Wind stehen, manchmal im Keller, manchmal vor Mauern, die mehr erlebt haben als man selbst.

Besonders spannend wurde es dort, wo sich die Themen berührten. Sensorik ist eben nicht nur: Was rieche ich? Sie ist Aufmerksamkeitstraining. Weinrecht ist nicht nur Paragrafenwissen. Es zeigt, welche Regeln hinter Herkunft, Qualität und Bezeichnung stehen. Ampelographie ist nicht nur Rebsortenkunde. Sie macht sichtbar, dass Reben Geschichte tragen, gezüchtet und angepasst und auch beschrieben werden können. Am Geilweiler Hof wurde diese fachliche Seite besonders greifbar. Dort geht es nicht um Nostalgie, sondern um Zukunft: Rebsorten, Forschung, Klima, Widerstandsfähigkeit, Beobachtung im Weinberg. Für mich war das ein wichtiger Gegenpol zu den historischen Exkursionen. Gute Weinvermittlung darf romantisch sein, aber sie darf nicht im Gestern steckenbleiben. Wein ist Tradition, ja. Aber er ist auch Anpassung, Forschung, Risiko und Veränderung.

Dazu kam der Teil, den man leicht unterschätzt: Kommunikation. Wie strukturiere ich eine Führung? Wie viel Fachlichkeit verträgt eine Gruppe? Wann wird Wissen lebendig, wann wird es belehrend? Wie schafft man Dramaturgie, ohne Theater zu spielen? Genau hier wurde aus dem gesammelten Stoff langsam ein Werkzeugkasten. Nicht für auswendig gelernte Vorträge, sondern für Begegnungen.

Die Abschlussarbeit als Realitätscheck

Natürlich gehörte zur Qualifizierung auch eine Abschlussarbeit. Über ihr konkretes Thema möchte ich hier bewusst nicht schreiben; daraus soll später noch etwas Eigenes entstehen. Aber die Aufgabe an sich war wichtig. Sie zwingt dazu, aus Interesse ein Konzept zu machen. Zielgruppe, Route, Inhalte, Dramaturgie, Zeitplanung, Praktikabilität: Auf einmal reicht es nicht mehr, viel zu wissen. Es muss führbar werden.

Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen Stoff und Botschaft. Stoff kann man sammeln. Botschaft muss man formen. Und wenn sie gut werden soll, muss sie fachlich tragen, menschlich zugänglich bleiben und zum Ort passen.

Was geblieben ist

Geblieben ist bei mir vor allem ein stärkeres Bewusstsein für Verantwortung. Kultur- und Weinbotschafter ist ein schöner Titel, aber eigentlich steckt darin ein Auftrag: Nicht auffälliger sein als der Ort, den man vorstellt, nicht klüger wirken wollen als die Gäste, nicht aus jeder Führung ein Seminar machen. Sondern Räume öffnen für Interesse, Fragen und Eindrücke, die wirken. Und für Genuss natürlich, den es hier in der Pfalz reichlich gibt.

Die Ausbildung war anspruchsvoll, aber sie hatte ebenso die nötige Leichtigkeit, um gemeinsam zu lachen, lebendig zu diskutieren und diese Momente, in denen aus einer Gruppe Fremden eine Gemeinschaft wird.

Für mich war dieser Lehrgang deshalb nicht das Ende eines Lernwegs. Eher der Punkt, an dem ich verstanden habe, wie viele Türen noch offenstehen…



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